„Mein Leitgedanke ist immer: Geht da noch was?“
Unsere Alumnae und Alumni sind nach ihrer Zeit bei der BEA erfolgreich in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Kultur tätig und profitieren auch noch nach ihrer Weiterbildung von der interdisziplinären Gemeinschaft aus aktiven und ehemaligen Studierenden der BEA.
In der Interviewreihe #nachgefragt stellen wir unsere Alumnae und Alumni vor und erfahren, wohin ihr Weg sie nach der BEA geführt hat und wie sie sich an ihre Zeit bei uns erinnern.
Wir freuen uns, Dr. Veronika Auer vorzustellen. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Technischen Hochschule Rosenheim und Sprecherin des Sachverständigenrats Bioökonomie Bayern.
Liebe Veronika, du warst im 14. Jahrgang der BEA und bist inzwischen unter anderem wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Technischen Hochschule Rosenheim. Mit was beschäftigst du dich genau?
Ich forsche ich an meinem Herzensthema, der holzbasierten Bioökonomie, also einer Ökonomie, die auf Basis nachwachsender Rohstoffe eine Transformation unserer Lebens- und Wirtschaftsweise zum Ziel hat. Damit einher gehen Klimaschutz, Erhalt der Ökosysteme und ein ressourcenschonender Umgang mit unseren Rohstoffen. In diesem komplexen System fokussiere ich mich auf den Roh- und Werkstoff Holz.
Ich liebe die Vielseitigkeit meiner Arbeit. Je nach Projektkonstellation arbeite ich an eigenen Forschungs- und Entwicklungsprojekten oder bringe mein Know-how in andere Projekte ein. Mein Schwerpunkt liegt dabei auf der Bewertung der Wertschöpfungskette Forst-Holz aus verschiedenen Blickwinkeln wie beispielsweise Nachhaltigkeit, Zirkularität, Versorgungssicherheit oder zukünftige Entwicklungen.
Seit 2021 vertrete ich diese Themen im Sachverständigenrat Bioökonomie Bayern (SVB), dessen Sprecherin ich bin. Der SVB berät die Bayerische Staatsregierung und gibt konkrete Handlungsempfehlungen, wie die Bioökonomie in Bayern umgesetzt werden kann.
Welche Herausforderungen werden deiner Meinung nach zu wenig in der Gesellschaft angegangen und wie setzt Du dich dafür ein?
Ich habe festgestellt, dass die Themen Bioökonomie, Holzbioökonomie, der Roh- und Werkstoff Holz, Kreislaufwirtschaft und der Zusammenhang mit Nachhaltigkeit und Klimaschutz zwar für Einzelne spannend zu sein scheinen, aber in der Kommunikation über die eigene Blase hinaus in die Gesellschaft meist etwas steif, wenig verständlich und elitär daherkommen. Daher schreibe ich dazu regelmäßig auf der Plattform LinkedIn, halte Vorträge für verschiedene Zielgruppen und setzte mich für den Transfer und die Kommunikation der Erkenntnisse aus der Wissenschaft heraus ein.
Was möchtest Du noch erreichen?
Ich möchte meinen Kindern einmal sagen können: „Ja, ich wusste, um was es geht und wir, deine Eltern, haben das möglichste getan, um Euch einen lebenswerten Planeten zu hinterlassen.“ Mit meiner Arbeit möchte ich die Hemmschwelle senken, sich mit diesen Zukunftsthemen zu beschäftigen. Meine Hoffnung ist, mit meinem Feuer für die Sache Begeisterung zu entfachen. Ich bin davon überzeugt, dass jeder einzelne Schritt in eine gemeinsame Richtung, für eine gemeinsame Vision, uns den Klimaschutzzielen und damit einer lebenswerten Zukunft näherbringt. Mein Leitgedanke ist immer: Geht da noch was? Geht es noch besser, noch nachhaltiger, noch ressourcenschonender, noch mit „weniger von allem“?
Was hast Du aus Deiner BEA Zeit mitgenommen, was Dich heute noch prägt oder beschäftigt?
Die BEA hat mich als Person stark geprägt. In der BEA lernte ich, meinem inneren Wertekompass zu vertrauen und mich daran zu orientieren. Ich erfuhr, wie bereichernd Vielfalt ist. Die BEA hat mich darin bestärkt, dass nicht eine bestimmte Position auf der Karriereleiter oder ein bestimmtes Gehalt eine Persönlichkeit ausmachen. Vielmehr hat mir die BEA gezeigt, dass es in verschiedenen Themen und auf verschiedenen Ebenen Leuchttürme gibt und braucht, die Orientierung für sich selbst und für andere geben.
Es sind drei wesentliche Punkte, die mich beruflich aus der BEA begleiten:
Der innere Wertekompass unterstützt mich bei schwierigen Entscheidungen und dem Ausloten möglicher Konsequenzen.
Der Austausch über Disziplinen hinweg und das Zusammenarbeiten mit vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten sensibilisierten mich für Diversität und wie wichtig es ist, individuelle Fähigkeiten und Potenziale bestmöglich einzubinden.
Eigene Entscheidungen zu hinterfragen und bei Bedarf zu korrigieren ist kein Zeichen von Schwäche. Es zeigt für mich vielmehr, dass wir alle Menschen in einer hochkomplexen Umwelt sind. Wichtig ist nur, die Beteiligten mitzunehmen und deren Vertrauen nicht zu riskieren.
Ein Wort oder ein kurzer Satz, das/der die BEA für Dich am besten beschreibt?
BEA: Beyond Extraordinary Ambitions oder auch BEA: Beyond Extraordinary Advocacy
Danke für Deine Zeit!
Weiterführende Links:
Technische Hochschule Rosenheim
Sachverständigenrat Bioökonomie Bayern
© Veronika Auer
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