„Das Engagement bei Feuerwehr und Rettungsdienst hat mich demütig gemacht.“
Unsere Alumnae und Alumni sind nach ihrer Zeit bei der BEA erfolgreich in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Kultur tätig und profitieren auch noch nach ihrer Weiterbildung von der interdisziplinären Gemeinschaft aus aktiven und ehemaligen Studierenden der BEA.
In der Interviewreihe #nachgefragt stellen wir unsere Alumnae und Alumni vor und erfahren, wohin ihr Weg sie nach der BEA geführt hat und wie sie sich an ihre Zeit bei uns erinnern.
Wir freuen uns, dieses Mal mit Dr. Peter Bartmann zu sprechen. Er war im 4. BEA-Jahrgang und ist heute Leiter IT Governance bei Hoffmann. Außerdem war er lang ehrenamtlich bei der Freiwilligen Feuerwehr und dem Bayerischen Roten Kreuz tätig. Welche dort erlernten Skills ihm heute im Berufsalltag helfen und was er als Juror im BEA Auswahlverfahren einbringen möchte, erzählt er uns im Gespräch.
Hallo Peter, schön, dass Du da bist! Stellst Du dich kurz vor?
Klar! Ich hatte neben meinem Informatik-Studium an der TU München das große Privileg, die Ausbildung der BEA im 4. Jahrgang zu durchlaufen. Seit September 2023 bin ich als Leiter IT Governance bei Hoffmann beschäftigt. Meine hauptsächliche Aufgabe besteht darin, die IT-Strategie sowie die Prozesse der Corporate IT auf neue und zukunftsfähige Füße zu stellen.
Davor war ich 11 Jahre bei Fujitsu tätig und habe dort für die Konzernzentrale in Tokio unter anderem eine globale Finanzsteuerung für die IT aufgebaut. Als Programmmanager leitete ich die IT-Themen bei der Verlagerung der Produktion und Schließung unseres Standorts in Augsburg, und vor meinem Wechsel überführte ich die regionalen IT-Abteilungen in eine globale IT-Organisation.
Würdest Du sagen, die BEA hat deine berufliche Laufbahn beeinflusst? Wenn ja, inwiefern?
Ja, ganz sicher. Bei der Aufnahme in die BEA war ich noch im Grundstudium Informatik. Von BWL hatte ich zu dieser Zeit überhaupt keine Ahnung. Ohne den interdisziplinären Austausch mit meinen Kommiliton/-innen und ohne Seminare während den Präsenzphasen wie beispielsweise den BWL-Tagen hätte ich damals nicht die Wichtigkeit für wirtschaftliche Zusammenhänge erkannt. Auch hätte ich nicht den Mut gehabt, mich zu diesem Zeitpunkt mit völlig neuen Themengebieten zu beschäftigen, die für meine heutigen Aufgaben essenziell sind.
Großen Einfluss hatten auch Menschen wie Herr Dr. Zeitler oder Herr Prof. Buhl, die an mich geglaubt und mich gefördert haben. Bei Herrn Buhl habe ich im Anschluss an mein Studium dann auch in Augsburg in Wirtschaftsinformatik promoviert.
Bis heute zehre ich außerdem noch von den zahlreichen Seminaren in den Präsenzphasen rund um Führung, Verantwortung und Werte.
Du warst lang ehrenamtlich bei der Freiwilligen Feuerwehr und dem Bayerischen Roten Kreuz tätig. Aufgaben, die viel Verantwortungsbewusstsein verlangen. Konntest Du Parallelen zu deinem hauptberuflichen Karriereweg in Bezug auf Führung und Verantwortung ziehen? Anders: Welche Skills, die Du im Ehrenamt erlernt hast, helfen Dir heute im Berufsalltag?
Obwohl ich nun seit über 10 Jahren nicht mehr aktiv bin, entdecke ich noch heute immer wieder neue Aspekte. Momentan sind für mich die folgenden Dinge wichtig und präsent:
Ich hinterfrage regelmäßig meine Motivation, mich für eine Aufgabe zu engagieren. Wenn es vorrangig nicht um die Sache geht und ich mich nicht einem größeren Ziel unterordnen kann (z.B. Menschen in Not helfen), sondern zum Beispiel persönliche Befindlichkeiten wie Status oder Anerkennung im Vordergrund stehen, dann steht dies dem Erfolg meist im Weg. Bei einem Notfall wie auch bei meinen heutigen Aufgaben ist Teamwork essenziell.
Bestleistungen im Team erfordern klare Rollen und Verantwortlichkeiten, die von allen akzeptiert werden. Der 17-jährige Berufsanfänger am Beatmungsbeutel ist mindestens genauso wichtig wie der alte Hase in der Einsatzleitung.
Ebenfalls habe ich im Rettungsdienst gelernt, dass Authentizität unabdingbar für Führung ist. Kinder als Patienten lassen sich oft nicht von der Uniform beeindrucken. Ihr Vertrauen musste ich mir jedes Mal verdienen und sie erkennen schnell, ob man aufrichtig zu Ihnen ist. Führungsfähigkeiten und -techniken sind wichtig und hilfreich, aber nichts wert, wenn ich sie nicht mit allem, was mich als Mensch ausmacht, mit Leben füllen kann.
Außerdem hat es mir gezeigt, dass Privilegien wie Sonderrechte mit Blaulicht im Straßenverkehr aber auch eine Assistenz immer an die Rolle gebunden sind, aber nicht an meine Person. Dies hilft mir, solche Dinge nicht irgendwann als selbstverständlich und als mein persönliches Recht anzusehen.
Das Engagement bei Feuerwehr und Rettungsdienst hat mich auch demütig gemacht. Fehler sind irgendwann unvermeidbar und meist haben diese dann Auswirkungen auf andere Menschen, auch wenn sie nicht immer unmittelbar ersichtlich sind. Ich glaube, den richtigen Weg zu finden, wie ich für meine Fehler Verantwortung übernehmen kann, wird für mich ein lebenslanges Lernen bleiben.
Du engagierst Dich als Alumnus weiterhin für die BEA – sei es als Juror oder auch in einem Arbeitskreis rund um die Weiterentwicklung unseres Auswahlverfahrens. Was motiviert Dich?
Das ist einfach: Es macht mir unheimlich viel Spaß. Das intensive Kennenlernen neuer Menschen aus völlig anderen Bereichen im Rahmen des Auswahlverfahrens gibt mir neue Anregungen und erdet mich. Oft regt es mich an, alltäglich gewordenes wieder zu hinterfragen. Was ist mir wirklich wichtig? Habe ich das Wesentliche etwas aus den Augen verloren oder bin ich grundsätzlich noch auf dem richtigen Weg? Und wenn ich mit meinem Engagement der BEA wieder etwas zurückgeben kann, macht es mir gleich umso mehr Spaß.
Außerdem finde ich es wichtiger denn je, dass die BEA auch weiterhin junge Menschen anspricht und fördert, die mehr für eine wertebasierte, dienstleistungsorientierte Führung sowie für eine positive Gestaltung unserer Gesellschaft brennen als für die reine Karriere.
Ein Wort oder ein kurzer Satz, das/der die BEA für Dich am besten beschreibt?
Die BEA ist für mich ein großes Privileg und gleichzeitig ein sicherer Ort, um mich mit Themen wie Werte, Führung und Verantwortung auseinanderzusetzen.
Danke für das Gespräch!
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