„Führung beginnt mit der Persönlichkeit – und wächst mit der Bereitschaft zu lernen.“

Die Bayerische EliteAkademie begleitet seit über 25 Jahren junge Menschen auf ihrem Weg in verantwortliche Führung. Denn Fachwissen allein reicht nicht mehr. Wer heute Verantwortung übernimmt – sei es in Wissenschaft, Wirtschaft oder Gesellschaft – braucht mehr als Leistung: Haltung, Reflexionsfähigkeit und Mut zur Entscheidung.

Doch wie bereitet man Studierende auf diese Art von Führung vor? Und welche Rolle spielen Hochschulen dabei?

Wir haben mit Prof. Dr. Stefan Leible, Präsident der Universität Bayreuth, gesprochen. Über verantwortliche Führung im Hochschulkontext, die Herausforderungen moderner Leadership – und warum er die Bayerische EliteAkademie seit Jahren unterstützt. Ein Gespräch über Persönlichkeitsentwicklung und institutionelle Verantwortung.

Herr Prof. Leible, viele Studierende übernehmen heute früh Verantwortung – sei es im Ehrenamt, in der Forschung oder in Gründungsprojekten. Warum reicht Fachwissen allein dafür nicht aus?

Exzellentes Fachwissen ist zweifellos eine zentrale Grundlage für akademischen und beruflichen Erfolg. Aber allein genügt das oft nicht. Es braucht vielmehr einen ganzen Werkzeugkasten an Kompetenzen, die von sozialen und kommunikativen Fähigkeiten über interdisziplinäres Denken bis hin zu Selbstorganisation und Eigenverantwortung reichen.

Wichtig erscheint mir vor allem, dass wir unseren Studierenden die Fähigkeit zu kritischem Denken und zur Problemlösung mit auf den Weg geben. Gerade als Universitäten sehe ich uns hier in der Pflicht. Wir müssen unseren Studierenden ein Umfeld bieten, das ihnen ermöglicht, sich über das Erlernen des notwendigen Fachwissens hinaus zu entwickeln.

Dabei gilt: jegliche Verantwortung muss durch ein stabiles Rüstzeug aus Werten und einer persönlichen Haltung getragen werden – gerade in unserer heutigen Zeit.

 

Ist Führung denn erlernbar – oder eher eine Frage des Charakters?

Das ist eine viel diskutierte Frage – und die Antwort liegt wie so oft in der Mitte: Führung ist sowohl erlernbar als auch vom Charakter geprägt. Viele Fähigkeiten, die gute Führung ausmachen, lassen sich gezielt trainieren, wie zum Beispiel Konfliktmanagement oder Teamführung. Gleichzeitig gibt es Persönlichkeitsmerkmale, die den Zugang zu Führungsaufgaben erleichtern wie Verantwortungsbewusstsein, Entscheidungsfreude und Resilienz. Ein Mensch mit natürlicher Autorität, aber ohne Lernbereitschaft, wird langfristig kaum erfolgreich führen. Umgekehrt kann jemand mit weniger „Führungscharisma“ durch gezielte Entwicklung eine sehr wirksame Führungskraft werden.

Um es zusammenzufassen: Führung beginnt mit der Persönlichkeit – und wächst mit der Bereitschaft zu lernen.

 

Was bedeutet verantwortliche Führung für Sie persönlich – gerade im Kontext einer Hochschule? Und wie unterscheiden sich Führungsherausforderungen hier von denen in der Wirtschaft?

Verantwortliche Führung im Hochschulkontext bedeutet für mich, Menschen zu befähigen, ihr Potenzial zu entfalten und dabei transparent und nachhaltig zu handeln. Im Vergleich zur Wirtschaft gibt es dabei einige besondere Herausforderungen und Unterschiede. So bedeutet an einer Hochschule „Gute Führung“, Entscheidungen transparent zu machen und auf dem Weg zu dieser Entscheidung die betroffenen Gruppen, wo immer es möglich ist, einzubeziehen. Hochschulen funktionieren nicht nur „top down“ oder „bottom up“, sondern im Gegenstromprinzip. Das ist manchmal anstrengend, aber es lohnt sich, da man so möglichst viele mit an Bord hat. Man identifiziert sich dann auch viel häufiger mit „seiner“ Institution.

Eine Herausforderung muss ich jedoch auch klar benennen: unsere Entscheidungsprozesse sind oftmals langsamer als in der Wirtschaft und wir müssen aufpassen, nicht den Anschluss zu verlieren. Das spricht freilich nicht gegen eine möglichst breite Beteiligung, sondern lediglich für effizient aufgesetzte eng getaktete Verfahren.

 

An der Universität Bayreuth wurden bereits mehrere Studierende für die Bayerische EliteAkademie ausgewählt. Was glauben Sie: Was nehmen sie hier mit, das ihnen auch für ihr universitäres Engagement und Leben hilft?

Die Teilnahme an der Bayerischen EliteAkademie bietet Studierenden weit mehr als nur fachliche Weiterbildung – sie nehmen dort Kompetenzen und Erfahrungen mit, die sie nachhaltig prägen und ihnen sowohl beim universitären Engagement als auch im weiteren Leben zugutekommen. Dabei meine ich nicht nur den offensichtlichen Aspekt der Persönlichkeitsentwicklung, indem sie ihre Stärken und Schwächen besser kennenlernen und ihre Führungskompetenz ausbauen. Nein, die Bayerische EliteAkademie hilft den Studierenden, Innovationsgeist und gesellschaftliche Verantwortung in einem ganz speziellen Umfeld auszubilden. Dies geschieht durch einen interdisziplinären Austausch mit Studierenden aus ganz Bayern, die alle einen unterschiedlichen Blickwinkel einbringen. Austausch und Vernetzung ist das, was die Wissenschaft stark macht. Und davon profitieren die Stipendiatinnen und Stipendiaten der Bayerischen EliteAkademie im Besonderen.

 

 

Warum braucht es Ihrer Meinung nach heute – in einer ohnehin schon komplexen Hochschullandschaft – noch eine Institution wie die Bayerische EliteAkademie?

Eine Institution wie die Bayerische EliteAkademie ist gerade wegen der zunehmenden Komplexität in der Hochschullandschaft heute wichtiger denn je. Die Bayerische EliteAkademie ist kein Luxus, sondern eine Investition in verantwortungsvolle Zukunftsgestalterinnen und -gestalter.

Sie ergänzt die Hochschullandschaft dort, wo klassische Fakultäten und Studiengänge an ihre Grenzen stoßen – und schafft Raum für Persönlichkeitsbildung, Werteorientierung und gesellschaftliches Engagement.

 

Was tut die BEA aus Ihrer Sicht konkret für die bayerische Hochschullandschaft – jenseits der individuellen Förderung einzelner Studierender?

Die Bayerische EliteAkademie leistet weit mehr als nur die individuelle Förderung einzelner Studierender – sie wirkt strukturell und kulturell in die gesamte bayerische Hochschullandschaft hinein. Sie ist Impulsgeber für verantwortungsvolle Hochschulkultur, Brückenbauerin zwischen Hochschulen und Wirtschaft und auch ein Band fürs Leben. Viele Geförderte engagieren sich später wieder an ihren Hochschulen, sodass ein Wirkungskreislauf erzeugt wird, der über Einzelpersonen hinausgeht. Man kann die Bayerische EliteAkademie meines Erachtens mit einem Katalysator für eine moderne, verantwortungsbewusste Hochschulkultur in Bayern gleichsetzen.

Sie schafft neue Impulse, fördert den Dialog zwischen Disziplinen und Sektoren – und stärkt so die Innovationskraft und gesellschaftliche Relevanz der Hochschulen insgesamt.

 

Die BEA setzt mit den Vertrauensdozierenden bewusst auf enge Anbindung an die Hochschulen. Was macht diese Rolle für Sie als Präsident besonders wertvoll?

In erster Linie sind die Vertrauensdozierenden die Verbindung zwischen Hochschule und Akademie. Sie geben den Anträgen ein Gesicht und eine Stimme und sorgen so für eine ideale Wirkung in die Hochschule hinein. Gleichzeitig garantieren sie eine persönliche Förderung der Stipendiatinnen und Stipendiaten, was im Sinne einer akademischen Fürsorge zwingend notwendig ist. In Bayreuth leben wir einen Campus der kurzen Wege - nicht nur räumlich, sondern auch im direkten persönlichen Austausch.

 

Was braucht es aus Ihrer Sicht, damit die BEA im nordbayerischen Raum noch sichtbarer wird – und wie können Hochschulen in Nordbayern und anderen Regierungsbezirken dazu beitragen?

 

Die Sichtbarkeit der Bayerischen EliteAkademie in Nordbayern wächst dort, wo Hochschulen sie nicht nur als externes Förderprogramm sehen, sondern als Partnerin für Exzellenz, Verantwortung und Innovation. Gleichzeitig braucht es Maßnahmen, die die Bayerische EliteAkademie noch sichtbarer machen und sie noch näher an die Studierenden heranbringt. Dies kann durch Alumni-Netzwerke oder Informationsveranstaltungen an den Hochschulen erfolgen. Eine Idee, die ich persönlich sehr interessant finde, sind gemeinsame Projekte zwischen Hochschulen und der Bayerischen EliteAkademie in Themenbereichen, die uns gesellschaftlich alle betreffen. Zu nennen sind hier beispielsweise Themen wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung und KI, soziale Gerechtigkeit, Demokratie und politische Stabilität

Weiterführende Links:

© Prof. Dr. Stefan Leible, Universität Bayreuth

Exzellenz.Verantwortung.Wirkung.